Wir besuchen die Gedenkstätte in Wehnen

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Zunächst waren wir unsicher, ob wir angesichts der höchstsommerlichen Temperaturen die Radtour überhaupt durchführen können. Doch nach den Hitzerekorden vom Vortag war es am Donnerstag, 14. August, viel erträglicher. Zudem hatte unser Tour-Organisator Hans-Gerd Lüken wieder herrliche und überwiegend schattige „Schleichwege“ ausgesucht.

In Wehnen wurden wir über die Gedenkstätte vom Vorstandsmitglied Lutz Renken ausführlich informiert. Es ist eine erschütternde Geschichte, die sich dort in den Kriegsjahren ereignet hat. Die Gedenkstätte Wehnen wurde im Jahr 2004 von Angehörigen als Ort der Erinnerung an die Opfer der oldenburgischen NS-Krankenmorde eröffnet. Bereits in der Pathologie, in der die „Roten Bücher“ mit Lebensgeschichten von Opfern und ihren Familien ausgelegt und zu lesen sind, waren wir sehr betroffen.

Besonders in der NS-Zeit wurden in Wehnen viele Menschen durch Euthanasie ermordet. Der Begriff beschreibt die Ermöglichung eines schmerzfreien Todes einer chronisch oder unheilbar kranken Person, um ihr Leid und Schmerzen zu ersparen (Sterbehilfe). Im national-sozialistischen Kontext wurde der Begriff Euthanasie jedoch euphemistisch (verhüllend/beschönigend) als Deckname für ein geheimes Mordprogramm verwendet.

In Wikipedia sind dazu u.a. folgende Begriffe erklärt:

“Die Geschichte der Euthanasie ist als Begriff in Deutschland stark durch die Zeit des Nationalsozialismus geprägt, deren Morde unter dem Vorwand der „Rassenhygiene“ ebenfalls als Euthanasie (altgriechisch εὐθανασία euthanasía „angenehmer Tod“; vgl. auch die Begriffe „Sterbehilfe“ und „Ars moriendi“) bezeichnet werden.

Der Freiburger Psychiater Alfred Hoche (1865–1943) und der Strafrechtler Karl Binding (1841–1920) veröffentlichten 1920 die gemeinsame Schrift “Die Freigabe der Vernichtung lebensunwerten Lebens”. Diese begründete die sogenannte Euthanasie und brachte diesen Begriff (wörtlich „schöner Tod“, damals im Sinn von „schmerzlosem Töten“) mit der „Vernichtung lebensunwerten Lebens“ in Verbindung.

In der Homepage des Gedenkstätte Wehnen ist zu lesen

„Gründungsinitiative – 1997 veröffentlichte Herr Dr. Ingo Harms das Buch „Wat mööt wi hier smachten …“ – Hungertod und „Euthanasie“ in der Heil- und Pflegeanstalt Wehnen im „Dritten Reich“, (Druck- und Verlagscooperative; ISBN 3-925713-25-5). Das war der Anstoß und damit der Beginn des Vereins. Endlich, mehr als 50 Jahre nach Ende des NS – Regimes, fanden Angehörige einen Kreis in dem sie ihre Erinnerungen austauschen konnten.

„Gnadentoderlass“ – Der 01.09.1939 war nicht nur Kriegsbeginn, sondern auch offizielles Datum von Hitlers sogenanntem Gnadentoderlass. Somit wurde der 1. September zu unserem Gedenktag, das erste Mal am 01.09.2000. Seitdem findet an diesem Tag jährlich eine Gedenkfeier im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung statt.

Denkmal – Am 01.09.2001 wurde das Mahnmal, welches von der Künstlerin Traudl Knoess geschaffen wurde, auf dem Gelände des NLKH in einer würdigen Feier eingeweiht. Die Inschrift lautet: „Die Schwachen und Kranken zu schützen ist die Würde der Gesunden“.

Gedenkstätte – Der 17.04.2004 ist das Datum der Einweihung unserer Gedenkstätte. Das kleine rote Backsteinhaus war früher die Leichenhalle und wurde während der NS–Zeit, und noch danach, als Pathologie genutzt.“

Friedhof Ofen: Steine mit Namen der Opfer von den Angehörigen angelegt

Text: Gustav Backhuß-Büsing

Foto: Heike Dexter